Dr. Mario Paul

 

Paul 2013



Mario Paul war am Lehrstuhl für Sozialtheorie und Sozialpsychologie an der Ruhr-Universität tätig. Er studierte Politikwissenschaft, Interkulturelle Kommunikation sowie Sozial- und Wirtschaftsgeographie an der TU Chemnitz. Gefördert durch ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung promovierte er zum Thema „Räume der Angst und Gewalt in der modernen Gesellschaft“. Mithilfe verschiedener Methoden der interpretativen Sozialforschung und Kulturanalyse analysierte er – unter soziologischer und kulturpsychologischer Perspektive – die praktischen und diskursiven Konstitutions- und Emergenzbedingungen sogenannter „No-Go-Areas“, also Orte, die es für bestimmte Personengruppen wenigstens zu bestimmten Tageszeiten zu meiden gilt – sie könnten sich dort ihrer körperlichen Unversehrtheit nicht sicher sein.

 

 

 

 

An der Fakultät für Sozialwissenschaft entwickelte er Lehrforschungsprojekte im Bereich interpretativer Sozialforschung und begleitet diese seitdem (Themen waren u.a.: Räume der Angst und Gewalt, Formen sozialen Protestsund sozialer Bewegungen, Empirische Erkundungen zu leiblichem Erleben und körperlichen Behandlungen). Sein wissenschaftliches Interesse gilt u.a. der Weiterentwicklung von Methoden und Methodologien interpretativer Sozialforschung und Kulturanalyse. Hierbei legt er ein besonderes Augenmerk auf die Emergenz einer sinnhaft und bedeutungsvoll strukturierten Welt im Rahmen sozio-kultureller Praxen. Dem Menschen als handlungsfähigen Individuum wird hierbei eine partielle Autonomie zugesprochen. Er ist jedoch hinsichtlich der Konstitution von Sinn und Bedeutung einem eigenlogischen Geschehen auf interaktiv-kommunikativer Ebene nachgeordnet. Eine theoretische Fundierung dieser Position verfolgt er vor allem im Rahmen phänomenologischer, hermeneutischer, poststrukturalistischer und systemtheoretischer Überlegungen. Trotz oder gerade wegen dieses dezidiert theoretischen Interesses ist es ihm wichtig, den Praxisbezug nicht aus den Augen zu verlieren. Hier gewinnt für ihn die empirische Forschung einen mindestens ebenso großen Stellenwert.