Sie befinden sich hier: Startseite » 2013 » Workshop der Studentischen Gleichstellungs-beauftragten der Fakultät zu Sozialer Ungleichheit – in intersektionaler Perspektive mit Naemi Eifler

21. Januar 2013:

Workshop der Studentischen Gleichstellungs-beauftragten der Fakultät zu Sozialer Ungleichheit – in intersektionaler Perspektive mit Naemi Eifler

In diesem Workshop geht es um die Sensibilisierung für ungleiche Chancen, Ausgrenzungsmechanismen und Privilegien, die strukturell bedingt sind. Anhand des Konzepts der Intersektionalität (Zusammenwirken/Verwobenheit verschiedener Diskriminierungsformen) wird es möglich, einen differenzierten Blick auf Identitäten zu werfen sowie die eigene(n) Identität(en) zu reflektieren und sich im gesellschaftlichen (Macht-)Gefüge zu verorten.

Der Begriff 'intersectionality' (oder auch intersectional analysis) kommt aus feministischen Diskussionen und wurde in den 1990er Jahren von der US-amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw für die Benennung der Verwobenheit der Triade von race, class und gender geprägt. Dazu benutzte Crenshaw die Metapher einer Verkehrskreuzung, an der sich Machtwege kreuzen, überlagern und überschneiden. Die Analyse von Ungleichheits- und Unterdrückungs-verhältnissen lässt sich allerdings nicht auf die isolierte Untersuchung von Kategorien wie etwa Geschlecht, Klasse oder „Rasse“ reduzieren. Auch lassen sich Ungleichheit generierende Faktoren nicht im Sinne einer Mehrfachunterdrückungsthese einfach addieren. Denn sie treten in verwobener Weise auf, können sich wechselseitig verstärken oder auch abschwächen. So sind schwarze Frauen in den USA und Großbritannien beispielsweise häufiger in höheren Positionen zu finden als schwarze Männer, befinden sich aber insgesamt am untersten Ende der Verdienstskala.

Intersektionale Ungleichheitsforschung befasst sich mit der Frage, wie unterschiedliche soziale Kategorien wie Geschlecht, soziale Klasse und Ethnizität, aber auch Sexualität, Nationalität, körperliche und geistige Befähigung etc., sich auf gesellschaftliche Benachteiligungen und_oder Privilegierungen auswirken. Dabei werden die jeweiligen Kategorien nicht nebeneinander, sondern als ineinander verwobene gesehen. Je nach Kontext sind es verschiedene Kategorien, die auf unterschiedliche Weise zusammen wirken.

In diesem Workshop werden wir die Überschneidungen von Dis-kriminierungen aufgrund verschiedener Identitäten und daraus resultierende spezifische Gewalt- und Diskriminierungs-Erfahrungen sichtbar machen. Wer beispielsweise aufgrund der sexuellen Orientierung diskriminiert wird, ist deswegen nicht unbedingt sensibler, was die Situation von (heterosexuellen) Frauen oder von Klassismus betroffenen Personen betrifft. So werden wir auch thematisieren, warum beispielsweise im Allgemeinen Gleich-behandlungsgesetz (AGG) einige personenbezogene Merkmale aufgenommen sind und andere, die noch in der EU-Charta festgehalten sind, in der Umsetzung in das AGG „verloren“ gingen (beispielsweise soziale Herkunft).

Der Workshop zielt auf eine kritische Beschäftigung mit sozialen Dominanzverhältnissen ab. Die Konzentration gilt hierbei denjenigen Verhältnissen, die auf die Kategorien Gender, soziale Klasse, „Rasse“ und sexuelle Orientierung zurückgehen und sich entsprechend in Alltagserfahrungen widerspiegeln. Dabei geht es um eine Sensibilisierung der eigenen Verortung in der Gesellschaft und eine kritische Reflexion sozialer Dominanzverhältnisse. Auf diesem Wege können verschiedene Ebenen der Ausgrenzung (strukturell/institutionell/individuell) erfasst werden.

In einer Diskussion werden wir danach fragen, welche Rolle die strukturelle Ebene der Diskriminierungen für gesellschaftliche Subsysteme wie das Bildungssystem spielt.

Zeit:
21.01.2012 von 18:00 – 21:00

Ort:
GC 04/611

Veranstalterinnen:
Mona Pointke und Laura Chlebos (Studentischen Gleichstellungs-beaftragte der Fakultät für Sozialwissenschaft)