Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Lebenslagen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender, transsexuellen und intersexuellen Menschen in NRW

(in Kooperation mit dem Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen)


Die Fremdwahrnehmung und Akzeptanz von Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, transsexuell oder intersexuell leben (LSBTTI), wandeln sich seit den ersten öffentlichen Auseinandersetzungen in den 70er Jahren ständig. Damals stießen jene Lebensentwürfe überwiegend auf Skepsis und Ablehnung. Heute könnte man - oberflächlich betrachtet - sogar von einem toleranten Miteinander sprechen: Die Zahl der eingetragenen Lebenspartnerschaften steigt stetig an und Kinderwünsche werden zunehmend verwirklicht. Dennoch haben über ein Drittel der Deutschen moralische Vorbehalte gegen Homosexualität bzw. äußern Bedenken hinsichtlich der gleichgeschlechtlichen Eheschließung. Der gesellschaftliche Status von Trans-Menschen scheint ähnlich prekär.

Um tiefergehende Einblicke in die aktuelle Lebenslage von LSBTTI in Nordrhein-Westfalen zu erhalten, kooperieren die Gender Studies (Prof. Sabisch, Marcel Wrzesinski) sowie der Lehrstuhl für Soziale Ungleichheit (Prof. Lenz) in dem Forschungsprojekt „Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“ mit dem Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW. Hierbei sollen unter anderem folgende Fragen beantwortet werden: Wie leben lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen in Nordrhein-Westfalen? Wie lässt sich ihre Lebenslage beschreiben? Inwieweit sind sie von sozialer Ungleichheit betroffen? Welche Studien gibt es bereits und wo besteht zukünftig Forschungsbedarf?

Aktuell ist es kaum möglich, Fragen nach den Lebenslagen von LSBTTI in Nordrhein-Westfalen fundiert zu beantworten, da es weitgehend an empirischen Forschungen und quantitativen Daten fehlt. Gerade solche Forschungen sind bedeutend, um zu einer Verbesserung der jeweiligen Lebenslagen beizutragen. Insbesondere juristische, sozialwissenschaftliche / sozialstrukturelle und medizinische Aspekte scheinen die konkreten Lebenssituationen von LSBTTI zu beeinflussen.

Genau hier setzt das Projekt mit seiner integrierenden Perspektive an. Themenkomplexe um Begriffe wie Familie, Bildung, Alter, Gesundheit, Arbeit, Diskriminierung, Gewalt, Kultur, Sport, Migration und Behinderung sollen in einer fokussierten und interdisziplinären Aufarbeitung des Forschungsstandes Geltung erfahren. Darüber hinaus ist zu klären: Wie gleichgestellt und akzeptiert sind Menschen normabweichender sexueller und geschlechtlicher Identität in den verschiedenen Bereichen? Wie lebt es sich heute als lesbischer, schwuler, bisexueller, transgender, transsexueller oder intersexueller Mensch in Nordrhein-Westfalen?

Dieser Sachverhalt wird in einer erstmaligen Aufarbeitung des Forschungsstandes zur Lebenslage von LSBTTI in NRW zusammengeführt und in einem vollständigen Literaturbericht dokumentiert. Der Bericht wird dabei als Diskussionsgrundlage für eine interdisziplinäre Fachtagung am 10. Mai 2012 dienen, auf dem Leitlinien und Ziele zukünftiger Forschung und sozialpolitischen Handelns erarbeitet werden. Bei der Veröffentlichung des Forschungsstandes, als auch bei der Planung der Fachtagung arbeiten die beteiligten Lehrstühle eng mit dem Büro der Kampagne "Anders und gleich - Nur Respekt wirkt zusammen“ (Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen) zusammen.

Fachtagung "anders und gleich in NRW" 10.05.2012


Auf der interdisziplinären Fachtagung "anders und gleich in NRW" sollen im Rahmen von Vorträgen, Workshops und einer Podiumsdiskussion das mehrdimensionale und hochkomplexe Feld der Lebenslagen von LSBTTI in Nordrhein-Westfalen erschlossen werden. Die Tagung wird unterstützt durch das "Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW".

Zum Programm: Prof. Dr. Paula-Irene Villa (München) leitet mit einer Keynote-Lecture thematisch ein, die Podiumsdiskussion zur aktuellen Forschungslage beschließt den Vormittag. Der Nachmittag ist der fallbezogenen Lebenslagenforschung gewidmet. In vier Workshops (Gewalt und Diskriminierung, Regenbogenfamilien, Trans* und Intersex, LSBTTI in intersektionaler Sicht) sollen Probleme diskutiert und Perspektiven erarbeitet werden, auch um Forschungskompetenzen interdisziplinär zu bündeln.

Folgende Teilnehmer_innen haben zugesagt:

• Almut Dietrich (rubicon, Köln)
• Dominic Frohn (Köln)
• Michaela Herbertz-Floßdorf (Düsseldorf)
• Dr. Ulrike Klöppel (Berlin)
• Dr. Angela Kolbe (Frankfurt)
• Prof. Dr. Beate Küpper (HS Niederrhein)
• Merit Kummer (anyway, Köln)
• Prof. Dr. Ilse Lenz (Bochum)
• Jacek Marjański (rubicon, Köln)
• Dr. Lisa Mense (Duisburg-Essen)
• Stefan Meschig (rubicon, Köln)
• Prof. Dr. Konstanze Plett (Bremen)
• Deborah Reinert (Rechtsanwältin)
• Prof. Dr. Katja Sabisch (Bochum)
• Saideh Saadat-Lendle (LesMigraS, Berlin)
• Prof. Dr. Bernd Simon (Kiel)
• Lucie Veith (1. Vors. "Intersexuelle Menschen e.V.")
• Prof. Dr. Paula-Irene Villa (München)
• ...weitere Personen angefragt

Ein detailliertes Programm sowie die Arbeitsgruppenbeschreibungen sind bereits verfügbar.

Veranstaltungsdetails & Teilnahme


Die Fachtagung findet zwischen 10-18 Uhr im „Zentrum für IT-Sicherheit“ (Lise-Meitner-Allee 4, 44801 Bochum), nahe der Ruhr-Universität, statt.

Die Teilnahme ist kostenlos, wir bitten um vorherige Anmeldung bei Viktoria Bartsch (viktoria.bartsch@ruhr-uni-bochum.de).




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Organisation & Kontakt

Das Projekt wird wissenschaftlich getragen und geleitet von den Lehrstühlen für Soziologie/Soziale Ungleichheit (Prof. Dr. Ilse Lenz) und Gender Studies (Prof. Dr. Katja Sabisch) der Ruhr-Universität, in Kooperation mit dem Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW.

Die Projektkoordination obliegt Marcel Wrzesinski (marcel.wrzesinski@ruhr-uni-bochum.de). Bitte kontaktieren Sie ihn für weitergehende Rückfragen oder koordinatorische Details.