Aktuelle Projekte


Die Entwicklung von Kindern im Kontext von Wohngebiet und Familie

Dissertationsprojekt von Jasmin Schmitt (E-Mail: jasmin.schmitt@rub.de)

Das Dissertationsprojekt fokussiert Wohngebiete und Familien als Kontexte des Aufwachsens und fragt nach ihren Effekten auf die kindliche Entwicklung. Dazu betrachtet das Projekt beide Kontexte zunächst separat und prüft für die kindliche Entwicklung positive und negative Wohngebiets- und Familienbedingungen. Aufbauend wird die Interdependenz beider Kontexte untersucht, wobei der Fokus auf Familien als Intermediäre liegt. Es wird getestet, inwieweit die Wahrnehmung und Realisierung von Handlungsoptionen, die negative Wohngebietseffekte abschwächen können, von familiären Ressourcen abhängt. Das Dissertationsprojekt prüft die vermuteten Zusammenhänge über die Analyse sozialer Mechanismen und auf Basis von Mehrebenenmodellen, die auf Daten von über 4.000 Familien in mehr als 100 Stadtteilen in Nordrhein-Westfalen beruhen.


Wie erleben Kinder sozialräumliche Segregation und Bildungssegregation?

Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, welche Auswirkungen sozialräumliche Segregation und Bildungssegregation auf das „Wohlbefinden“ der Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen haben. Armut ist mehr als zu wenig Geld, sie ist Mangel an materiellen, sozialen, kulturellen und infrastrukturellen Ressourcen eines gelingenden Lebens. Wer in ihrem Wohlbefinden benachteiligte Kinder fördern will, muss die „dauerhafte Umwelt“ verändern, in der sie aufwachsen. Im Fokus des Projekts steht die dauerhafte Umwelt der Kinder, vor allem die Bedingungen der sozialen Kontexte Familie, Schule und Quartier. Das Projekt wird gemeinsam mit der Partnerkommune Herne durchgeführt und ist am ZEFIR angesiedelt. Ein populationsdiagnostisches Instrument, das geeignet ist, solche Wirkungen zu verstehen und in der praktischen Umsetzung Umgebungen zu schaffen, die eine chancengleiche Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen ermöglichen, ist das kanadische „Middle Years Development Instrument“ (MDI). Es besteht aus Befragungen im Klassenverband in verschiedenen Jahrgangsstufen in allen Schulen einer Stadt. MDI ist in Kanada und in anderen Ländern mittlerweile die Grundlage für die Entwicklung von kommunalen Handlungs- und Präventionsstrategien. Es soll in dieser deutschen Pilotstudie erstmals zum Einsatz kommen.

Soziale Isolation in Deutschland

Dieses Projekt untersucht, wie sich persönliche Netzwerke in Deutschland vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen (Modernisierung, Beschleunigung von Kommunikation und Mobilität, Transnationalisierung, Veränderungen der Arbeitswelt) in den letzten Dekaden aber auch im internationalen Vergleich verändert haben. Einzelne Hypothesen lassen widersprüchliche Entwicklungen vermuten. So kann aufgrund zunehmenden Wohlstands erwartet werden, dass immer weniger Menschen auf soziales Kapital angewiesen sind. Anderseits nimmt das Potenzial an sozialen Kontakten durch moderne Transport- und Kommunikationsmittel wie auch durch gestiegene Transnationalisierung zu.

Einsames Sterben und unentdeckte Tode - Eine theoretisch-empirische Untersuchung zur Profilbestimmung der Personengruppe

Dissertationsprojekt von Susanne Loke (E-Mail: susanne.loke@rub.de)

Die Dissertation zielt auf die nähere Erforschung eines bislang im öffentlichen, politischen und wissenschaftlichen Diskurs weitgehend unbeachteten Phänomens: einsame Tode. Sie bezeichnen das in sozialer Isolation stattfindende Versterben von Personen, welches Wochen, Monate und manchmal sogar Jahre unentdeckt bleibt. Die Umstände deuten darauf hin, dass dem physischen ein sozialer Tod bzw. präziser gesagt: ein soziales Sterben vorausgegangen sein muss. Das Promotionsvorhaben will mittels einer theoretisch-empirischen Untersuchung das Profil einsam verstorbener Menschen und mögliche Charakteristika ihrer Lebenslage bestimmen. Der theoretische Teil soll einen Überblick über Einsamkeitsforschung und Thanatologie geben, mögliche personale ─ mit Vereinsamung und sozialer Vereinzelung assoziierte ─ Wirkfaktoren herausarbeiten und geeignete theoretische Erklärungsmodelle benennen bzw. adaptieren. Der empirische Teil lässt sich vom Prinzip der Triangulation leiten. Die statistische Auswertung aller Sterbeurkunden für eine Dekade in zwei Kommunen soll das Phänomen der einsamen Tode erstmalig quantitativ erfassen und Aussagen zu Häufigkeiten und Mittelwerten bezüglich des Geschlechts, Alters, Geburtsorts, Familienstands, Konfessionszugehörigkeit, letzten Wohnumfelds sowie der „Liegezeit“ der Verstorbenen generieren. Die sich statistisch ergebenen Muster sollen verglichen und ergänzt werden mit den Ergebnissen eigener Fall- und Feldstudien von einzelnen Todesfällen (Kombination von Stadtteilbegehungen, Befragungen und Auswertung persönlicher Dokumente).